Förderschungel – Schlechte Noten für Berater

Wer Geld braucht, braucht Zeit. Vor die Subventionstöpfe von Bund, Ländern und der EU haben die Götter Anträge, IHK – Abendseminare und Bankgespräche gesetzt. Insbesondere EU – Fördermittel erhalten Unternehmer erst, wenn sie Formularberge bewältigt haben. Wer den Marathon durchhält, verbessert die Erfolgsaussichten für seine Firma allerdings deutlich.

Den schnellen Weg zum Geld versprechen Unternehmensberater. Als Subventionsscouts haben sie die Marktlücke zwischen Idee und Fördertopf gewittert. Aber über das Geschäft mit der Fördermark will kaum einer reden.

„Wir helfen Ihnen durch das Subventions- und Fördermaßnahmendickicht“, verspricht Frank C. Maikranz. Und weiter im Anzeigentext: „Wussten Sie, dass es für die BRD und Österreich über 1.500 Förderprogramme der EU, des Bundes und der einzelnen Länder gibt, und da sind noch nicht einbezogen die vielen kleinen Förderungen und Vergünstigungen der jeweiligen Landkreise, Städte und Gemeinden? Und das monatlich 50 bis 60 Änderungen an diesen Förderprogrammen vorgenommen werden?“

Woher hätten wir das wissen sollen? Trotz des Überblicks hat sich der Weseler Unternehmensberater nicht allein auf die Gründungsberatung fixiert. „Hier gibt es zwar viele Interessenten, aber die Honorierung fällt – trotz Beratungsförderung - fast allen schwer.“ Das zahlreiche Kollegen trotzdem auf die schnelle Mark im Gründermarkt aus sind, räumt der Chef der „Maikranz & Schindler GmbH (BDU) Unternehmensberater + Unternehmensmakler“ ein – wohl auch deshalb, weil er sich neben der Gründungsberatung ganz ausgiebig der lukrativen Subventionsberatung für etablierte Unternehmen widmet.
„Für EU- Zuschüsse müssen sie schon mal einen dreißigseitigen Antrag ausfüllen. Mit Anlagen ist das schnell ein kleines Buch. Da brauchen Sie einen kompetenten und vor allem einen erfahrenen Berater.“ Bei Gründungen sei das anders: „Die meisten Berater fügen hier und da nur noch ein paar Details ein, machen die eine oder andere Marktstudie“, sagt Maikranz, „und kassieren. Außerdem gibt es ein böses Erwachen, wenn der Berater dem Gründer nicht genau erklärt, wie viel Vater Staat wirklich fördert. Dann kann ein Großteil der Unterstützung für die Beratung draufgehen. Der BDU, der Dachverband der seriösen Berater, der sich selbst gern auch als Standesgremium der deutschen Unternehmensberatung sieht, nennt solche Ein-Mann-Berater-Firmen `Micky Mouse – Berater´.“

An wen wende ich mich also?

Wie immer: Es kommt darauf an...

Soll sich der künftige Unternehmer auf der Suche nach Fördermitteln also lieber an die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die örtliche Industrie- und Handelskammer (IHK) oder die Deutsche Ausgleichsbank (DtA) wenden? Diese Institutionen beraten neben Banken und Sparkassen findige Gründer und Erfinder. BDU – Mitglied Frank C. Maikranz dazu: „Die Gründungsförderung des Bundes und der Länder ist wenig praxisgerecht und verbesserungsbedürftig. Die Werbeaussagen der Deutschen Ausgleichsbank verleiten zu der Annahme, daß nichts leichter ist, als ein Unternehmen zu gründen. Man braucht nur eine gute Idee und Mut. Schon gibt es Geld von der Bank.“

Die Realität sieht aber ganz anders aus: „Bürokratische Hürden und Sicherheitsdenken der Kreditinstitute sind Hindernisse, die oft jedes Pflänzlein unternehmerischer Eigeninitiative ersticken. Dies gilt nicht nur für Gründer sondern auch für etablierte Unternehmen, die vor einer Erweiterung oder Umstrukturierung stehen.“ Führt also an cleveren Beratern, die den Weg zu den richtigen Töpfen weisen, kein Weg vorbei?

Kürzlich hagelte es für die Branche schlechte Noten. „Zu kompliziert, zu praxisfern – Existenzgründer sind mit den ihnen angebotenen Beratungsleistungen nicht zufrieden“, so das Fazit einer Studie der Fachhochschule Trier.
Laut Statistik sind nur drei Prozent der Gründer bereit oder in der Lage, für einen Berater Geld auszugeben. „Aber gerade in der kritischen Frühentwicklungsphase, die bis zu fünf Jahren dauern kann, sind junge Firmenchefs auf die Hilfe von außen angewiesen“. Laut der Trierer Statistik sind die mit staatlicher Hilfe geförderten Unternehmen erfolgreicher als Betriebe, die sich mit privaten Darlehen begnügen. Nach fünf Jahren sind noch über 90 Prozent am Markt, während jeder zweite nicht geförderte Betrieb verschwunden ist.

Also doch die Notwendigkeit der Beratung ?